Was ist Compliance?

"Überflüssig!", wird oft spontan geantwortet. Nicht weniger prompt wird Compliance als Mode­erscheinung abgetan. Beide Antworten zeigen eine Einstellung, die nicht gerade selten ist, jedoch am Kern des Themas Compliance vorbeigeht, es unterschätzt. Die eher sarkastische Antwort "Compliance, haben wir schon; es ist mittlerweile zu unserem Kerngeschäft geworden!", lässt vermuten, dass bei der Umsetzung von Compliance-Maßnahmen das Geschäft und die Unterneh­menskultur auf der Strecke zu bleiben drohen.

Zunächst sagt der aus Amerika importierte Begriff nur, dass sich Unternehmen in ihrem Geschäftsgebaren an gesetzliche Normen und interne Richtlinien zu halten haben - eine Selbstverständlichkeit wie man meinen sollte.

Dass dem nicht immer so ist, musste man in der Vergangenheit immer wieder feststellen. Zunächst lösten in den USA bekannt gewordene, katastrophale Geschäftspraktiken eine ganze Flut von Vorschriften aus (z.B. Sarbanes-Oxley Act), die auch Spuren im Denken des deutschen Gesetzge­bers hinterlassen haben. Korruptionsfälle bei bekannten deutschen Unternehmen zeigten, dass dies nicht unbegründet ist.

Auch wenn schon früher Aufsichtsrat und Vorstand einer AG, ebenso wie die Geschäftsführung einer GmbH, dafür Sorge zu tragen hatten, dass das Unternehmen gesetzestreu agiert, so wurden für in Deutschland tätig Unternehmen, aber auch für deutsche Unternehmen, die im Ausland tätig sind, zusätzliche Pflichten definiert. Die Staatsanwaltschaften verfolgen Compliance-Verstöße immer unnachgiebiger.

Stellt sich im Rahmen eines festgestellten Gesetzesverstoßes heraus, dass die Unternehmenslei­tung ihre o.g. Pflichten verletzt hat, kann dies für sie erhebliche Haftungsfolgen auslösen. Anders als bei einem "Kavaliersdelikt" wird dann ein solcher Gesetzesverstoß sehr schnell sehr persönlich.

Es handelt sich beim Thema Compliance jedoch nicht nur um ein Thema der Unternehmensleitung. Vielmehr sind alle für ein Unternehmen tätigen Mitarbeiter und Führungskräfte dadurch angespro­chen, da Vorschriften, wie z.B. die des Strafrechts ebenso für sie gelten.

Mit der Erkenntnis, dass es sich beim Thema Compliance, also dem gesetzestreuen, ethisch richtigen Verhalten, also weder um ein überflüssiges und auch nicht um ein nur vorübergehendes Phänomen handelt, wächst die Einsicht, dem daraus folgenden Handlungsbedarf zu entsprechen.

Als Aufsichtsrat, Vorstand oder Geschäftsführung einer GmbH stehen Ihnen verschiedene Optionen zur Verfügung, wie Sie Ihr Unternehmen auf die neuen Anforderungen ausrichten können.

Zunächst mag der Schluss nahe liegen, dass es sich um ein juristisches Problem handelt, dessen Lösung auch Juristen überlassen werden kann. Sicher ist es von großer Wichtigkeit, alle Maßnah­men zur Erreichung von Compliance-Zielen durch Juristen prüfen zu lassen. Nur sie können ent­scheiden, ob die Maßnahmen im Ernstfall einer Überprüfung durch ein Gericht standhalten.

Mindestens ebenso bedeutsam ist es jedoch, weitere Überlegungen anzustellen, die - jenseits der Jurisprudenz - auf dem Gebiet der Führung, der Unternehmenskultur und auch der Betriebswirt­schaft liegen.

Wichtig dabei ist das Verständnis, dass